Arbeitslos wegen Krankheit?

In Baden-Württemberg arbeiten Gesundheitslotsen und Vermittlungsfachkräfte Hand in Hand

Landkarte: Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Baden-Württemberg

Sie sind im Schnitt elf Tage mehr pro Jahr arbeitsunfähig als Beschäftigte, sie fühlen sich weniger gesund, und außerdem sind sie überproportional häufig psychisch beeinträchtigt: Viele Arbeitslose haben es aufgrund ihrer Krankheit schwerer als andere, wieder Fuß auf dem Arbeitsmarkt zu fassen.

Gesundheitliche Einschränkungen zählen zu den Hauptgründen für Langzeitarbeitslosigkeit, gibt Christian Rauch zu bedenken, Leiter der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit: „Der Anteil der gesundheitlich Eingeschränkten unter Grundsicherungsbezieherinnen und -beziehern beispielsweise liegt bei 45 Prozent. Gleichzeitig werden Arbeitslose von den Präventions- und Gesundheitsförderangeboten der gesetzlichen Krankenkassen noch viel zu wenig erreicht. Diesen Widerspruch wollen wir aufheben.“

Noch bis Ende 2022 läuft an derzeit bundesweit 129 Standorten die Erprobungsphase des Modellprojekts zur Verknüpfung von Gesundheits- und Arbeitsförderung, eine Kooperation der Bundesagentur für Arbeit mit gesetzlichen Krankenkassen vor Ort.

In Baden-Württemberg sind es die Stadtgebiete Freiburg, Pforzheim und Karlsruhe sowie die Landkreise Calw/Freudenstadt und Rottweil/Villingen-Schwenningen, in denen Agenturen, Jobcenter und Krankenkassen besonders eng Hand in Hand arbeiten:
Gesundheitslotsinnen der Kassen – dies eine regionale Besonderheit – informieren die Agenturen und Jobcenter über ihre Präventions- und Gesundheitsangebote, übernehmen Koordination und Teilnehmerbetreuung vor Ort. Die Vermittlungs- und Integrationsfachkräfte in Agenturen und Jobcentern ihrerseits motivieren Arbeitslose und Arbeitsuchende in Beratungsgesprächen zur Teilnahme an den Angeboten, etwa an Sportangeboten für Jugendliche und Erwachsene, Entspannungskursen wie Pilates oder Yoga oder Workshops zum Ernährungsverhalten.

Untersuchungen nach der ersten Modellphase ergaben: 89 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bewerten die Kursteilnahmen als erfolgreichen Beitrag zur Stabilisierung bzw. Verbesserung der individuellen Beschäftigungsfähigkeit.
„Denn“, erläutert Christian Rauch, „verhindere ich Krankheit oder beseitige ich gesundheitliche Beeinträchtigungen, verdoppele ich meine Chance, eine Beschäftigung zu finden.“ So könne eine effektive Verknüpfung von Gesundheitsförderung und Arbeitsförderung Betroffenen die Teilhabe am Arbeitsmarkt ermöglichen.

Noch 2019 ist eine Erweiterung des Modellprojektes vorgesehen, es liegen auch aus Baden-Württemberg weitere Interessensbekundungen zur Teilnahme am Projekt vor.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Baden-Württemberg, Pressemitteilung 11/2019

 

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