Fachkräfte fehlen: der Arbeitsmarktbericht zur Pflege

  • Überproportional viele Frauen und viele Teilzeitstellen in Pflegeberufen
  • Hoher Fachkräftebedarf bei gleichzeitiger Bewerberknappheit
  • Krankenpflegekräfte bilden sich häufiger weiter als Altenpflegekräfte


Ein aktueller Kurzbericht beleuchtet die Situation auf dem Arbeitsmarkt der Pflegeberufe in Baden-Württemberg:
Untersucht werden neben strukturellen Merkmalen in der Gruppe der Beschäftigten auch das Verhältnis zwischen Stellenangebot und -nachfrage sowie die unterschiedliche Verteilung von Helfern und Fachkräften in der Kranken- und Altenpflege. Aus den Beobachtungen ergibt sich, dass für die Betriebe – Krankenhäuser sowie stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen – der Fachkräfteengpass weiter zunimmt.


Besonders viele Frauen, hoher Teilzeitanteil
In den Pflegeberufen sind Frauen deutlich überrepräsentiert.
Allgemein machen Männer im Schnitt etwas mehr als die Hälfte der Beschäftigten aus; in den Pflegeberufen ist dagegen nur etwa jeder sechste Beschäftigte ein Mann. Die hohe Konzentration von Frauen ist mit ein Grund dafür, dass in den Pflegeberufen die Teilzeitarbeit besonders stark ausgeprägt ist.

Wo gibt es Engpässe?
Engpassberufe zeichnen sich dadurch aus,
- dass auf offene Stellen nur wenige Arbeitslose kommen und
- es vergleichsweise lange Zeit braucht, bis eine offene Stelle besetzt werden kann.

Vor allem der Fachkräftebedarf steigt
Allgemein ist der Arbeitskräftebedarf in den Krankenpflegeberufen deutlich gestiegen, wie die Zahl der gemeldeten Arbeitsstellen zeigt.
Gleichzeitig jedoch nimmt der ohnehin niedrige Anteil gesuchter Helfer tendenziell ab.
In der Altenpflege haben vor allem von 2014 auf 2015 die Zahl der gemeldeten Arbeitsstellen und der Anteil der Helfer stark zugenommen. Danach steigt die Zahl der gemeldeten Arbeitsstellen weiter, nun allerdings bei konstantem Helferanteil.

Die Bewerberknappheit verschärft sich
Das Bewerberpotenzial für die Stellenbesetzung ist allgemein geringer geworden. Auch im Pflegebereich hat das Verhältnis zwischen Arbeitslosen und Stellen (Zahl der Arbeitslosen auf 100 Stellen) seit 2013 grundsätzlich stark abgenommen. Als Folge hat sich in den Pflegeberufen die Bewerberknappheit spürbar verschärft:
In der Krankenpflege hat sich die Arbeitslosen-Stellen-Relation der Helfer im Trend deutlich verringert.
Bei den qualifizierten Kräften hat sich die Relation sogar nahezu halbiert.
In der Altenpflege stehen bei den qualifizierten Kräften den offenen Stellen besonders wenige Arbeitslose gegenüber.
Auch bei den Helfern ist die Arbeitslosen-Stellen-Relation besonders stark zurückgegangen.

Stellen für Fachkräfte bleiben länger unbesetzt – vor allem in der Altenpflege
Die durchschnittliche abgeschlossene Vakanzzeit gibt an, wie viele Tage zwischen dem geplanten Besetzungszeitpunkt einer Stelle
und ihrer tatsächlichen Besetzung vergehen. Zwischen 2013 und 2018 hat die Vakanzzeit in allen Berufen erheblich zugenommen;
es wurde in den letzten fünf Jahren also schwieriger, Stellen zu besetzen.
Im Pflegebereich dauert es noch deutlich länger als im Durchschnitt der Berufe, eine Fachkraftstelle zu besetzen:
In Baden-Württemberg stieg die Vakanzzeit in allen Berufen von 93 Tagen (2013) auf 126 Tage im Jahr (2018).
Besonders lange ist die Vakanzzeit in der Altenpflege: 2018 waren es 196 Tage (2013: 142), in der Krankenpflege 158 Tage (2013: 118).


Krankenpflege wird besser bezahlt als Altenpflege
In der Krankenpflege liegen die Entgelte von Helfern und Fachkräften höher als im Durchschnitt aller Berufe und deutlich über
denen im Altenpflegebereich. Das Entgelt bei den Helfern im Krankenpflegebereich liegt sogar 12,6 Prozent über dem Entgeltniveau
aller Berufe; bei den Fachkräften sind es 6,2 Prozent.
Umgekehrt verhält es sich in der Altenpflege: Hier verdienen Helfer 12,4 Prozent weniger als der Durchschnitt der Berufe;
bei den Fachkräften liegt das Entgelt immer noch 7,2 Prozent unter dem Schnitt.
Andererseits sind die höchsten Lohnzuwächse zwischen Ende 2015 und Ende 2017 in den Altenpflegeberufen zu verzeichnen:
Um 5 Prozent stiegen sie bei den Helfern, um 5,9 Prozent bei den Fachkräften.
Der Abstand zum durchschnittlichen Lohnniveau ist dadurch etwas geringer geworden.

Weiterbildung: Schwankende Eintrittszahlen
Die Eintrittszahlen in geförderte Weiterbildungsmaßnahmen für Krankenpfleger schwanken von Jahr zu Jahr stark. Noch unbeständiger
ist der Anteil von Bildungsmaßnahmen, die zu einem beruflichen Abschluss führen.
Auch im Bereich Altenpflege entwickeln sich die Eintrittszahlen in geförderte Weiterbildungsmaßnahmen von Jahr zu Jahr stark unterschiedlich.
In der Altenpflege können durch erleichterte Fördervoraussetzungen – etwa die verlängerte Förderdauer im Bereich der Altenpflegerumschulung – und die entsprechende Schwerpunktsetzung der Arbeitsagenturen und Jobcenter etwa zwei Drittel der Teilnehmer an einer Bildungsmaßnahme mit Berufsabschluss teilnehmen.

Angesichts des hohen Bedarfs an Fachkräften wirbt Christian Rauch, Leiter der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit, vor allem für eine höhere Ausbildungs- und Qualifizierungsrate:
„Die Bundesagentur für Arbeit setzt sich bei ihrer ‚Ausbildungsoffensive Pflege‘ zusammen mit Netzwerkpartnern dafür ein, mehr junge Menschen  in der Berufsorientierungsphase für eine Ausbildung im Pflegebereich zu interessieren.“ Besonders angesprochen würden dabei auch männliche Jugendliche und Menschen mit Migrationshintergrund. „Außerdem werden wir verstärkt die Möglichkeiten nutzen, die uns das 2019 in Kraft getretene Qualifizierungschancengesetz bietet“, ergänzt Rauch. „Hier haben wir die Chance, auch Berufe in der Altenpflege attraktiver zu machen als bisher.“

Quelle: Pressemitteilung Nr. 30/ 2019 der Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Baden-Württemberg

 

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