FAM: Maßnahmenpakete für Frauen mit Migrationshintergrund

Ende 2018 wurden in Baden-Württemberg über 39.000 Menschen aus den acht Asylhauptherkunftsländern in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung gezählt, darunter elf Prozent Frauen. Damit ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus diesen Ländern seit Ende 2016 um mehr als das Zweieinhalbfache gestiegen, gleichzeitig aber der Anteil der Frauen unter ihnen gesunken: Aktuell sind bei Jobcentern und Agenturen für Arbeit knapp 16.000 Menschen mit Fluchthintergrund arbeitslos gemeldet, darunter mit fast 32 Prozent überproportional viele Frauen.

„Ein Blick auf diese Zahlen zeigt einerseits, dass die Integration der geflüchteten Menschen in den letzten Jahren besser als ursprünglich erwartet vorangekommen ist“, erläutert Christian Rauch, Leiter der Regionaldirektion
Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit. „Andererseits erweist es sich als Herausforderung, Frauen mit Fluchthintergrund in gleichem Maß in den Arbeitsmarkt zu integrieren – insbesondere diejenigen, die zu einem späteren Zeitpunkt im Rahmen des Familiennachzugs hergekommen sind. Diese Fehler der ersten Gastarbeitergeneration dürfen wir nicht wiederholen“, warnt Rauch.
Schon seit einiger Zeit beziehen die Jobcenter daher verstärkt Frauen mit Fluchthintergrund in Aktivitäten und Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik ein.

FAM – zugeschnitten auf die Lebenssituation
Im Herbst läuft das Pilotprojekt „Frauen für den Arbeitsmarkt“ (FAM) an, das sich insbesondere an die Frauen mit Migrationshintergrund richtet, die über keine oder nur geringe Sprachkenntnisse verfügen. Ziel ist, sie soweit
zu aktivieren und zu stabilisieren, dass sie an weitergehenden Fördermaßnahmen teilnehmen können – insbesondere Qualifizierung oder Ausbildung – oder im günstigsten Fall direkt am Prozess der Arbeitsvermittlung.

FAM soll dazu beitragen,

  • die Teilnehmerinnen für Sprachförderung und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen zu gewinnen,den Teilnahmeerfolg im Sprachkurs zu sichern,
  • die Frauen an den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt heranzuführen,
  • Vermittlungshemmnisse festzustellen, sie zu verringern oder zu beseitigen und
  • die Beschäftigungsaufnahme der Frauen zu stabilisieren.


Die Maßnahme ist in Modulen aufgebaut und kann im Einzelfall bis zu 18 Monate dauern.

„Zum einen sollen die Projektteilnehmerinnen mittelfristig selbst für den Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg gewonnen werden. Zum anderen aber ist es uns genauso wichtig, dass sie bei dieser Gelegenheit als Mütter auch den Stellenwert einer dualen Ausbildung für ihre Töchter und Söhne erkennen – eine Art psychologischer Mitnahmeeffekt“, erklärt Christian Rauch.

Dass dies langfristig auch gelingen kann, zeigen die kontinuierlich steigenden Zahlen an gemeldeten Bewerberinnen und Bewerbern mit Fluchthintergrund für eine Berufsausbildung: 860 waren es noch im Oktober 2017, bereits 4.039 im Juli 2019. Der Anteil der Frauen ist dabei von 11,6 auf 18,1 Prozent gestiegen.


Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Baden-Württemberg, Pressemitteilung Nr. 36/ 2019

 

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