Strukturwandel nimmt durch Digitalisierung an Fahrt auf

Technischer Wandel erhöht Anpassungsdruck für 28 Prozent der Arbeitsplätze

„Substituierbarkeit ist nicht gleichbedeutend mit Arbeitsplatzabbau oder dem Verschwinden von Berufen, sondern ein Indikator für den Arbeitsplatz- und Berufswandel“, erklärt Christian Rauch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit. „Diesen Wandel müssen wir aktiv gestalten, um die für die Wirtschaft und Beschäftigten entstehenden Chancen zu nutzen. Zusätzlich müssen wir einen Fachkräftemangel vermeiden.“

Wie wirkt sich die Digitalisierung auf Arbeitsplätze aus? Welche Tätigkeiten können ersetzt werden und welche kommen hinzu? Mit diesen Fragen beschäftigt sich eine neue Studie des IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung), die das Substituierbarkeitsrisiko für den baden-württembergischen Arbeitsmarkt und seine Kreise neu bewertet. Als „hoch“ wird ein Substituierbarkeitsrisiko angegeben, wenn über 70 Prozent der Tätigkeiten in einem Beruf von Computern oder computergesteuerten Maschinen erledigt werden können.

Zwischen 2013 und 2016 ist der Anteil an Beschäftigten, die in einem Beruf mit hohem Substituierbarkeitsrisiko arbeiten von 17,4 Prozent auf 27,9 Prozent gestiegen. Nach dem Saarland und Thüringen weist Baden-Württemberg damit den dritthöchsten Wert aller Bundesländer auf. Mehr als jeder Vierte, das sind mehr als 1,25 Millionen Beschäftigte im Land, ist demzufolge beruflich betroffen. Parallel dazu haben sich in einigen Berufen Berufsbilder gewandelt. Die Bedeutung ersetzbarer Tätigkeiten hat abgenommen, die der nicht ersetzbaren Tätigkeiten hat zugenommen.

Der mit der Digitalisierung einhergehende Strukturwandel fällt, Projektionen des IAB zufolge, bis 2035 in Baden-Württemberg am größten aus. Als „Stellschrauben“ bezeichnet Rauch die Anpassung von Ausbildungsinhalten und Weiterbildung und zwar während des gesamten Erwerbslebens. Lebenslanges Lernen spiele in Zeiten der Digitalisierung eine entscheidende Rolle. Auch wenn in den letzten Jahren viele Technologien verfügbar geworden sind, die eher einfache Tätigkeiten ersetzen können, arbeiten fast 800.000 Fachkräfte – und damit die größte Gruppe der Beschäftigten - aktuell in Berufen mit hohem Substituierbarkeitsrisiko.  Zudem besteht auch langfristig der größte Anpassungsdruck der Kompetenzen und Fertigkeiten an die technologischen Veränderungen für Fachkräfte. „Wir sind, in Bezug auf die Fachkräfte, bereits auf einem guten Weg. Momentan arbeiten bereits 450.000 der beruflich Qualifizierten in einem Job, der höherwertige Tätigkeiten beinhaltet, als es die eigentliche Ausbildung zulässt. Das zeigt, dass Beschäftigte durch Weiterbildungen höherwertige Tätigkeiten als Spezialisten und Experten ausüben können.“

Der digitale Wandel betrifft nahezu alle Bereiche, fast überall können Arbeitsplätze durch digitale Systeme weitestgehend verändert werden. Am stärksten betroffen sind unternehmensbezogene Dienstleistungen und Verkehrs- und Logistikberufe. „Trotzdem hat auch in diesen Bereichen die Beschäftigung zugenommen, so wie übrigens in fast allen Branchen. Im Vergleichszeitraum der Studie zwischen 2013 und 2016 hatten wir 2016 gut 280.000 Beschäftigte (knapp sieben Prozent) mehr als noch 2013“, unterstreicht Rauch.

Quelle: Pressemitteilung Nr. 24/ 2018 der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit


 

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